20140116_083257Am 26. November wurde ein jahrelanger Herzenswunsch Angehöriger von in der NS- Zeit deportierten und meist ermordeten Menschen erfüllt, und in Hameln die ersten zehn Stolpersteine durch Gunter Demnig verlegt.

Er versieht die Steine mit den Namen der Opfer und verlegt sie vor deren einstigen Wohnungen im Straßen- oder Gehwegpflaster. Das Projekt, welches sich ausschließlich durch Spenden finanziert, hat sich inzwischen mit über 42.500 Steinen in etwa 900 Orten in mehr als 10 Ländern Europas zum weltweit größten dezentralen Mahnmal entwickelt.

Im Jahr 2009 wurden Anträge zur Verlegung vom Hamelner Rat und vom Kulturausschuss zunächst abgelehnt. Erst Anfang dieses Jahres kam erneut Bewegung in dieses Anliegen. Nochmals wurde ein Antrag direkt von Angehörigen eingereicht. Nach viele Gesprächen und großem Engagement durch den Ratsherrn der Linken, Peter Kurbjuweit konnte nun im Sommer 2013 ein Konsens erzielt werden, sodass es im Rat letztendlich einen einstimmig positiven Beschluss gab.

Im Anschluss an die Verlegung der Stolpersteine, folgte am Abend ein Vortrag des Künstlers bei dem er zunächst ausführlich seinen Werdegang beschrieb.
1949 in Berlin geboren studierte er nach dem Abitur in Berlin und Kassel Kunstpädagogik.
In den darauf folgenden Jahren arbeitete er im Bereich der Denkmalsanierung, Planung, Bauleitung und Ausführung. Im Anschluss daran war er als künstlerisch wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fachbereich Kunst an der Universität Kassel tätig. Er arbeitete mit verschiedensten Materialien und hat sehr unterschiedliche Projekte realisiert. Schon früh interessierten ihn vor allem Arbeiten die nicht für Museen oder Galerien gedacht waren, sondern nach außen in der Öffentlichkeit wirkten und mit Menschen zu tun hatten. Er betrieb Aktionskunst, baute Maschinen mit denen er auf langen Wegen Spuren legte, erst mit Kreide, später unter anderem auch mit Blut.

Die Idee der Stolpersteine fand ihren Vorläufer in einer ersten Aktion in Köln, wo er inzwischen auch sein Atelier hatte. Demnig wollte an die deportierten Sinti und Roma der Stadt erinnern und schuf einen Pfad der Erinnerung durch Köln.

Bekannt gemacht haben Ihn jedoch die Stolpersteine, welche er seit 1994 in Handarbeit herstellt. Zunächst handelte es sich um illegale Verlegungen, erst seit 2000 werden die Steine mit behördlicher Genehmigung, inzwischen in einem Team von 5 Mitarbeitern verlegt.
Die Intuition des Künstlers besteht aus dem Wunsch den Getöteten und Verfolgten, welche in den Konzentrationslagern zu Nummern degradiert waren, ihren Namen wieder zu geben. Menschen sollen zum Hinschauen angeregt werden, und um die Texte lesen zu können, bücken sich diese und verbeugen sich somit symbolisch vor den Opfern. Hiermit soll auch besonders den Hinterbliebenen und Zeitzeugen ein Ort der Erinnerung gegeben werden.

Die Angehörigen, dies wurde auch bei dem anschließenden Gespräch deutlich, sind Demnig sehr dankbar für sein Schaffen und Sie bedankten sich auch hier ausdrücklich bei Gelderblom, Kurbjuweit und den vielen anderen Unterstützern für Ihre jahrelange Hilfe und Hartnäckigkeit.

Lobend erwähnt wurde auch der Einsatz einiger Hamelner Schulklassen die das Thema im Rahmen Ihres Unterrichts behandelten und auch eine Patenschaft, finanziert durch die Klassenkasse übernahmen. Mehr Einbindung der Schulen wünschte sich auch Stadträtin Gaby Willamowius, die außer Mitgliedern der LINKEN und der Piratenpartei leider die einzig Anwesende aus Reihen der Hamelner Politik war.

Am Schluss des Abends machte Herr Gelderblom auf den Verein für regionale Kultur- und Zeitgeschichte aufmerksam, bat um Spenden und informierte die Zuhörer das die nächsten Stolpersteine Ende März nächsten Jahres verlegt werden.

Erste Hamelner Stolpersteine verlegt- Künstler Gunter Demnig zu Gast in Hameln
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