In der vergangenen Ratssitung am 21. Februar hat der Rat auf unseren Antrag hin knapp die vorzeitige Stillegung des KKW Grohnde gefordert. Hier dokumentieren wir das Medienecho, unseren Antrag, sowie das Redemanuskript aus der Ratssitung:

Ratssitzung am 21.02.2108, TOP 9, Vorlage 223/2017
Redebeitrag Peter Kurbjuweit
Manuskript, es gilt das gesprochene Wort!

Anrede!

In Grohnde handelt es sich um einen Altreaktor, eine sogenannte Vor-Konvoi Anlage, in der grundlegende Teile sicherheitstechnisch nicht nachgerüstet werden können. Das Ende des Kraftwerksbetriebs sollte nach dem rot-grünen Atomgesetz bereits dieses Jahr sein. Und das mit gutem Grund, denn 254 meldepflichtige Ereignisse zählt das Kraftwerk bis jetzt. Fünf Neue sind dazugekommen, seit der Einbringung unserer Resolution im September. Meldepflichtige Ereignisse werden international als Sicherheitsindikator für Kernkraftwerke gewertet.

Grohnde ist nicht auf dem aktuellen Stand der Technik. Ein möglicher Flugzeugabsturz ist nicht in die Lastannahmen aufgenommen worden. Am Montag erst musste das Kraftwerk geräumt werden, weil eine Lufthansamaschiene einen Fehlalarm ausgelöst hatte. Zum Glück handelte es sich dieses Mal nicht um den Ernstfall. Die Anlage wurde geräumt, die Bevölkerung liest von diesen Ereignissen aber erst am Tag darauf in der Zeitung. Eine schlimme Vorstellung, dass der Informationsweg in einer echten Bedrohungslage ähnlich laufen könnte. Nur dass dann wahrscheinlich keine Dewezet mehr im Briefkasten läge, wären doch die Mitarbeiter der Redaktion längst geflüchtet.

Auf Katastrophenszenarien wie einen Flugzeugabsturz sind sicherheitstechnisch nicht vorbereitet. Die Vernebelungsanlage ist unwirksam, Orientierungspunkte wie die Kühltürme bleiben unvernebelt. Wir sind kein Erdbebengebiet, weshalb das Kraftwerk nicht ausreichend gegen Erschütterungen geschützt wurde. Ein Bruchausschluss ist nicht gegeben, bedrohliche Schäden im Reaktorgebäude können auch bei Erschütterungen auftreten, dafür ist kein Bruch der Gebäudehülle nötig.

Bis zum geplanten Ausstieg sind es noch vier Jahre, das bedeutet hier vor Ort:

Weitere vier Jahre Bedrohung durch technische Schwachstellen und Terrorismus
Weitere vier Jahre Anhäufung von Atommüll, für den kein Endlager in Sicht ist
Weitere vier Jahre Netzverstopfung und Blockade der Erneuerbaren Energien durch unflexible Kraftwerkstechnik
Vier Jahre die drohende Laufzeitverlängerung durch mögliche Novellierung des Atomgesetz

„Absolut sicher“ erklären die Anlagenbetreiber. Die Erfahrungen der letzten 40 Jahre zeigen etwas Anderes. Deshalb bitte ich Sie liebe Kolleginnen und Kollegen, nehmen Sie die Sorgen und Ängste der Bevölkerung ernst und stimmen Sie mit uns für die vorzeitige Stilllegung.

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Radio Aktiv Bericht vom 22.02.2018

Berichterstattung der DEWEZET
Berichterstattung der DEWEZET

 

 

 

 

 

 

Resolution zur vorzeitigen Stillegung des KKW Grohnde

Ein Gedanke zu „Resolution zur vorzeitigen Stillegung des KKW Grohnde

  • Peter Kurbjuweit führt richtig aus, dass ein möglicher Flugzeugabsturz nicht in die Lastannahmen für das AKW Grohnde aufgenommen worden ist. Ich halte das für unverantwortlich, aber Betreiber und Aufsichtsbehörden hatten wohl ihre Gründe dafür!
    Spätestens seit den Terror-Anschlägen vom 11.September 2001 und dem gezielt herbeigeführten Absturz der germanwings Maschine am 24.03.2015 ist klar, dass AKW auch durch mögliche Flugzeugabstürze bedroht sind!
    In § 7 Atomgesetz (AtG) , Abs. 2, Satz 5 heißt es aber: „Die Genehmigung (für ein AKW) darf nur erteilt werden, wenn (5.) der erforderliche Schutz gegen Störmaßnahmen oder sonstige Einwirkungen Dritter gewährleistet ist.“
    Wurde ein möglicher Flugzeugabsturz nicht in die Lastannahmen aufgenommen, um die Betriebsgenehmigung nicht zu gefährden? Diese Annahme liegt irgendwie ziemlich nahe finde ich.
    Wird hier die Gefährdung der Bevölkerung billigend in Kauf genommen?

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